Vor einiger Zeit wollte ich für meinen Blog Wunder Sammlerin endlich einen neuen Impuls schreiben. Aber die Kreativität wollte einfach nicht so richtig ins Fließen kommen. Immer wieder saß ich vor meinem Laptop und starrte auf den weißen Bildschirm. Ich hatte zwar ein Thema, aber die Seite blieb trotzdem leer. Ich schrieb Sätze, nur um sie kurz darauf wieder zu löschen. Ich fing neu an, verwarf alles und begann von vorne. Nichts fühlte sich stimmig an.
Je mehr ich versuchte, etwas Gutes zu produzieren, desto mehr bauten sich Druck und Widerstand in mir auf. Und mit ihnen verschwanden nach und nach auch die Freude, die Kreativität und die Leichtigkeit. Irgendwann habe ich den Laptop einfach zugeklappt. Nicht aus Frust, sondern weil ich gemerkt habe: Ich kann es gerade nicht erzwingen. Ich muss es loslassen.
Ein paar Tage später waren die Worte plötzlich da - ganz unspektakulär, ohne Krampf und ohne langes Nachdenken. Ich musste ihnen nur noch folgen. Plötzlich war alles ganz leicht. Wie bei einem reifen Apfel. Solange er noch Zeit braucht, kann man ziehen und zerren – er bleibt am Baum hängen. Ist er aber reif, löst er sich fast wie von alleine. Beim Pflücken hat man das Gefühl, dass er einem eigentlich schon entgegen fällt.
Vielleicht gilt das auch für manches in unserem Leben: Für Entscheidungen, Beziehungen, Gespräche, Ideen oder Veränderungen. Nicht jeder Gedanke ist sofort reif. Nicht jede Idee muss heute entstehen. Und nicht alles wird besser, wenn ich nur mehr Druck mache oder an einer Sache oder einem Menschen ziehe. Es gibt Situationen, da ist Dranbleiben wichtig. Aber es gibt auch Momente, in denen Loslassen der bessere Weg ist – und darauf zu vertrauen, dass sich manches mit der Zeit fügt, wenn es gewachsen ist.
Alles hat seine Zeit – auch in der Bibel finden wir diesen Gedanken wieder. Im Buch Kohelet heißt es:
„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden (Koh 3, 1-8).“
Es muss sich leicht anfühlen. Nicht, weil alles immer einfach ist. Sondern weil manches erst dann entstehen kann, wenn die Zeit dafür wirklich reif ist. Und weil wir vielleicht nicht alles aus eigener Kraft hervorbringen müssen. Manches dürfen wir einfach empfangen. Und manchmal fällt uns das, was wirklich dran ist, genau im richtigen Moment fast wie von selbst, ganz ohne unser Zutun, einfach entgegen. Denn es geschieht alles zu SEINER Zeit!
Pastoralreferentin Stephanie Hanich
Bilder: Stux / pixabay.com; St. Bonifatius Wiesbaden